Gastritol

Anwendungsgebiete

Stimmungsschwankungen und nervöser Unruhe

Wichtigste Inhaltstoffe

  • Hypericin
  • Hyperforin

Johanniskraut - Hypericum perforatum

 

Johanniskraut: Bewährt seit der Antike

Schon in der Antike spielten verschiedene Johanniskrautarten eine Rolle bei der Behandlung von Wunden oder bei Ischias-, Harnwegs- und Menstruationsbeschwerden. Seit dem Mittelalter wird in erster Linie Hypericum perforatum, das Echte Johanniskraut, therapeutisch eingesetzt. Rezepturen mit Johanniskraut sind in jedem mittelalterlichen Kräuterbuch zu finden. Hypericum galt lange Zeit u.a als Mittel zur Wundbehandlung, bei gastrointestinalen Beschwerden, Gicht und rheumatischen Schmerzen oder auch bei Leberschwäche. Im „Lorscher Arzneibuch“ aus der Zeit um 790/795 wird Johanniskraut bereits für das Anwendungsgebiet „Melancholie“ (Stimmungsschwankungen) empfohlen. Bis heute ist das sein wichtigster Einsatz. Die Wirksamkeit von Johanniskraut bei Stimmungstiefs und nervöser Unruhe belegen umfangreiche wissenschaftliche Studien.

Johanniskraut leuchtet im Sommer goldgelb auf unseren Wiesen

Weltweit gibt es fast 400 unterschiedliche Hypericum-Arten. Das heutzutage medizinisch überwiegend genutzte Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) ist in ganz Europa und Westasien, auf den Kanarischen Inseln und in Nordafrika heimisch. Die Bezeichnung „Johanniskraut“ geht voraussichtlich zurück auf die Zeit der beginnenden Blüte um den St. Johannistag (24. Juni). Der Gattungsname Hypericum leitet sich ab vom griechischen „hyper“ (= auf) und „ereikon“, was so viel bedeutet, wie auf der Heide wachsend. Perforatum ist abgeleitet von lat. „perforatus“ (= durchbohrt, durchlöchert) und nimmt Bezug auf die Blätter. Hält man diese gegen das Licht, wirken sie durch die sichtbar werdenden Öldrüsen wie durchlöchert, punktiert. 

Das Johanniskraut leuchtet im Sommer an Wegen und Feldrändern, in trockenen Wiesen, auf Äckern und Bergmatten bis 1.500m Höhe. Es blüht von Ende Juni bis in den Spätsommer hinein und kann bis zu 50–60 cm hoch werden. Seine auffallend leuchtenden, goldgelben Blüten erscheinen in endständigen Trugdolen, die am oberen Ende des mit Mark gefüllten, also nicht hohlen, Stängels stehen. Zerdrückt man die Blütenblätter mit den Fingern, tritt ein blutroter Saft aus, bei dem es sich um Hypericin handelt.

Inhaltsstoffe

In der Naturheilkunde wird das Kraut der Pflanze (Hyperici herba) eingesetzt. Genau genommen werden die getrockneten blühenden Triebspitzen mit Blüten, Blättern und Stängeln verwendet. Reich an Wirkstoffen sind vor allem die Blütenknospen, die geöffneten Blüten und die noch grünen Kapseln. Johanniskraut enthält Hypericine (0,1–0,3%), Phloroglucine, darunter Hyperforin (2–4%); Flavonoide (2–4%) und Biflavonoide; Gerbstoffe (6–15%) und etwas ätherisches Öl (0,03–1,93%).

Obwohl Johanniskraut wissenschaftlich bereits vielfach untersucht und die Wirkung der Johanniskrautextrakte bei leichten depressiven Episoden vielfach belegt ist, konnten die genauen Wirkungsmechanismen in der Therapie gegen Stimmungsschwankungen und leichten depressiven Verstimmungen noch nicht ganz geklärt werden. Diskutiert werden verschiedene Ansätze. So spricht einiges dafür, dass Johanniskraut die Neurotransmittermenge vermehrt, indem es als Gesamtextrakt die synaptosomale Wiederaufnahme der Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und L-Glutamat) hemmt und so für eine längere Verweildauer im synaptischen Spalt sorgt. Auch kommt es zur Steigerung der nächtlichen Melatoninsekretion, was einen Einfluss auf einem gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus hat. Hypericin fördert zudem die Nutzbarmachung des Lichtes (Photosensibilität), was stimmungsaufhellende Wirkung haben kann. 

Die im Johanniskrautöl (Rotöl) enthaltenen Flavonoide wie auch das Hypericin wirken entzündungshemmend. Hypericin hat zudem antivirale Effekte. Hyperforin wirkt antibakteriell.

Johanniskraut leichten und vorübergehenden Depressionen 

Johanniskraut wird als Phytotherapeutikum bei leichten bis mittelschweren vorübergehenden depressiven Verstimmungen verordnet, ebenso bei psychovegetativen Störungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe. Auch bei Schlafstörungen aufgrund von leichten Depressionen und bei entsprechenden Symptomen während der Wechseljahre hat sich Johanniskraut bewährt. Die Anwendungsgebiete des Johanniskrauts gehen über die Behandlung dieser Störungen weit hinaus. So wird Johanniskrautöl (Rotöl), das sowohl innerlich als auch äußerlich eingesetzt werden kann, äußerlich zur Nachbehandlung von Verletzungen der Haut und bei Verbrennungen 1. Grades empfohlen, aber auch zur Nachbehandlung von Myalgien (Muskelschmerzen, z.B. Muskelentzündung, „Muskelkater“). Außerdem eignet sich Rotöl zur Pflege trockener Haut. Innerlich angewendet hat es u.a. Einfluss auf Verdauungsbeschwerden, die mit entzündlichen Prozessen einhergehen.

Gute Verträglichkeit

In den vergangenen Jahren hat Johanniskraut wegen seiner möglichen Wechselwirkungen Aufmerksamkeit erhalten. So konnten für hochdosierte Johanniskrautpräparate mit einer Tagesdosis ab 600 mg Wechselwirkungen mit einigen Arzneistoffen im Bereich der Antidepressiva, der Immunsupressiva oder Anti-HIV-Mitteln beobachtet werden. Das gilt auch für Herzmittel wie Digoxin und Blutgerinnungshemmer vom Cumarintyp. Ebenso wurde diskutiert, ob es die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln beeinträchtigt. Bei geringer dosierten Extrakten traten diese Wechselwirkungen nicht auf.

Grundsätzlich ist die Verträglichkeit vor allem bei alleinigen Einnahme Johanniskrautmittel sehr gut und deutlich besser als bei synthetischen Antidepressiva. Eine ausgeprägte Phototoxizität wurde vor allem bei Weidetieren beschrieben und nicht bei Menschen. Trotzdem sollten hellhäutige Menschen, bei denen eine Photosensibilisierung nicht auszuschließen ist, vorsichtshalber während der Behandlung mit Johanniskraut auf intensive Sonnen- oder UV-Bestrahlung verzichten.

Bei der Behandlung mit phytotherapeutischen Johanniskraut-Präparaten müssen Patienten und Therapeuten ein klein wenig Geduld mitbringen: Die Wirkung entfaltet sich erst nach 2–3 Wochen, häufig ist eine zufriedenstellende Wirkung erst nach 3–5 Wochen zu sehen. 

Hypericum in der Homöopathie

Die homöopathische Urtinktur wird aus der frisch blühenden Pflanze hergestellt. Es gilt als ein Hauptmittel für Verletzungen der Nerven und des Rückenmarks mit entzündlichem Charakter. Hypericum eignet sich auch bei traumatischen Zuständen, Quetschungen und Stichwunden aller Art, aber auch bei Folgen von Nervenverletzungen und Nervenschmerzen nach Operationen. Es kommt bei Kopfschmerzen, Benommenheitsgefühl zu Einsatz und kann auch die Folgen von Gehirnerschütterungen oder -prellungen wie Kopfschmerzen und erschwertes Denken sowie Depressionen lindern.

Charakteristisch sind die stechend schießenden Schmerzen, die den Nerven entlang über den Körper ziehen. Es besteht häufig eine große Überempfindlichkeit. Kribbeln in Händen und Füßen wie von Nadelstichen, weisen auch auf das Arzneimittel hin. Auch große Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit mit Erregtheit und verwirrten Gedanken sowie depressive und melancholische Zustände sind wahlanzeigend für Hypericum.

Die Beschwerden verschlimmern sich bei

  • Erschütterung
  • Bewegung
  • Berührung
  • Kälte
  • Feuchtigkeit
  • Anstrengung

Und bessern sich:

  • beim ruhigen Liegen.

 

Anwendungsgebiete

  • bei leichten vorübergehenden depressiven Störungen
  • Angstzustände
  • mentale Erschöpfung
  • nervöse Unruhe
  • leichte dyspeptische Beschwerden
  • leichte Entzündungen der Haut/Wundheilung

Wichtigste Inhaltsstoffe

  • Hyperforin
  • Hypericine
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Ätherisches Öl

Produkte

  • Hyperforat® 250mg (pflanzliches Arzneimittel)
  • Hyperforat® Nervohom (homöopathisches Komplexmittel)
  • Hyperforat® Vitahom (homöopathische Urtinktur)