Anwendungsgebiete

  • Appetitlosigkeit
  • Verdauungsbeschwerden, vor allem bei gestörter Galle-Produktion der Leber und einer gestörten Galleausscheidung aus der Gallenblase
  • Bewegungsstörungen der Gallenwege (Dyskinesien)

Wichtigste Inhaltstoffe

  • ätherisches Öl mit Thujon und vielen anderen Monoterpenen
  • Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe(Bitterwert 15.000-20.000), vor allem Absinthium und Anabsinthin
  • Flavonoide
  • Gerbstoffe
  • Ascorbinsäure

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Wermut - Artemisia absinthium L.

 

Wermut (Artemisia absinthium L.) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt ursprünglich aus Asien, wurde dann in Europa und Nordafrika eingebürgert und ist heute auch in Nord- und Südamerika verbreitet. Er wächst an Wegrändern, auf Felshängen und Ödland.

Im Gattungsnamen Artemisia spiegelt sich der Name der griechischen Göttin „Artemis“, der Schutzpatronin der Frauen und Gebärenden, wider. Der Beiname „absinthium“ beinhaltet das griechische ‚apsinthion’ (= Wermut). Der deutsche Name „Wermut“ lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Er wird mit den Begriffen ‚warm’ oder ‚Wurm’ in Verbindung gebracht. Der Englische Name „wormwood“ verweist auf die belegte traditionelle Verwendung als Wurmmittel.

Der Halbstrauch kann bis einem Meter hoch wachsen und bis zu 10 Jahren alt werden. Seine gräulich grünen, gefiederten Blätter sind beidseitig weiß-seidig behaart sind. Die gestielten, kugeligen gelben Blüten bilden bis zu 30 cm lange Rispen. Sie blühen zwischen Juli und September. Das Kraut hat, insbesondere zerreiben, einen starken, aromatischen Duft.

Wermut in der Pflanzenheilkunde

Wermut zählt zu den Amara aromatica, also den Bittermitteln, die als Inhaltsstoffe neben Bitterstoffen auch ätherische Öle enthalten. So beinhaltet Wermutkraut ätherisches Öl mit Thujon und vielen anderen Monoterpenen, Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe(Bitterwert 15.000-20.000), vor allem Absinthium und Anabsinthin, Flavonoide, Gerbstoffe und Ascorbinsäure. Nach dem Enzian steht der Wermut mit seinem Bitterwert von 15.000-20.000 an zweiter Stelle der stärksten Bitterstoffdrogen. Und wie der Name schon sagt, schmecken Zubereitungen aus Wermutkraut bitter, ein Geschmack der auch nicht durch das Süßen der Zubereitungen ausgeglichen werden kann – ein kleiner „Wermutstropfen“ sozusagen. 

In der Pflanzenheilkunde wird das Wermutkraut (Absinthii herba) verwendet, d.h. die während der Blütezeit geernteten Stängel, Blätter und Blüten. Es wird als Tee, alkoholische Auszüge (auch Tinktur), als Fluidextrakt in Tropfen oder als Trockenextrakte in Tabletten und Dragees verabreicht. 

Wermut stärkt die Magen und Gallenwege

Wermutkraut wirkt anregend und tonisierend auf das zentrale Nervensystem, stärkend auf Magen und Gallenwege, antibakteriell, blähungswidrig, gallenflussfördernd, entzündungshemmend und krampflösend. 

Schon im Mund bewirken die Bitterstoffe die Freisetzung von Speichel und Magensäure und im Magen-Darm-Trakt für die Ausschüttung von Verdauungshormonen und Gallensäure. So hat Wermutkraut eine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Wermutkraut auch zur Behandlung dyspeptischer und gastrointestinaler Beschwerden eingesetzt werden. So verbessert Wermut die Fett- und Eiweißverdauung und lindert Symptome bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Hervorzuheben ist auch die Wirkungen von Wermutkraut auf die Gallensaftproduktion. Daher wird es traditionell bei Verdauungsbeschwerden durch gestörte Gallenproduktion oder Bewegungsstörungen der Gallenwege verabreicht. 

Hinweise

Bei bestehenden Allergien gegen Korbblütler (Asteraceae) müssen Wermutzubereitungen gemieden werden. Patienten mit Gallensteinen und anderen Gallenstörungen sollten vor Einnahme den Rat Ihres Arztes oder Heilpraktikers einholen. Auf eine Anwendung bei Magen-Darm-Geschwüren, während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte verzichtet werden.

Das in Wermutkraut enthaltene Thujon kann in hohen Dosen unerwünschte Wirkungen auf das Zentralnervensystem auslösen. Bei der innerlichen Anwendung von Zubereitungen aus Wermutblättern (Teeaufguss, Tinktur) wird die toxische Dosis an Thujon nicht erreicht. Trotzdem sollten Wermutzubereitungen in diesen Formen nicht länger als 2–3 Wochen eingenommen werden. Auf keinen Fall darf das isolierte ätherische Öl des Wermutkrauts genutzt werden, weil es bis zu 40 % Thujon enthalten kann. Die toxikologischen Nebenwirkungen des thujonhaltigen Oelum absinthii sind im Zusammenhang mit der Herstellung von Absinth bekannt. Es kam früher zu zentralnervös toxischen Wirkungen, die inzwischen durch eine gesetzliche Beschränkung des Thujonanteil im Absinth verhindert werden.

Artemisia absinthium in der Homöopathie

Die homöopathische Urtinktur wird aus den frischen oberen Sprossteilen, Blättern und Blüten gewonnen. Homöopathisch findet Absinthium Anwendung bei Erregungszuständen mit Tremor, Epilepsie mit voll ausgeprägten Symptomen sowie seltener bei Übelkeit und Blährungen. Es wird auch bei Schlaflosigkeit bei Kindern erfolgreich eingesetzt. Ebenso kann es bei Zuckungen im Gesicht oder in Gliedern angezeigt sein.